Herr W. und die Akzeptanzkommission

Herr W., mit Verlaub: Sie sind ein Knallkopf!

Da liegt man friedlich vor dem Fernseher und zappt sich durch die Unsäglichkeiten des Abends. Kurz nur blitzt n-tv vorbei, aber bevor der Daumen an der Macht den nächsten Sender holt, bleibt mein vor Schreck geweitetes Auge an einer Einblendung in der ansonsten mehr als stinklangweiligen busch@n-tv Sendung zur Absetzung der Oper Idomeneo hängen:

Herr W., Würgen
Ich finde diese Oper ist geschmacklos. Der Inhalt des Stückes ist nicht akzeptabel! Es kann nicht sein, dass Mord in der Öffentlichkeit für gut und richtig gehalten wird.

Es ist ja nicht nur genug damit, dass in diesem deutschen Provinznachrichtenkanal mit enervierender Stupidität dieser unerträglich anbiedernder News-Amistyle bis zum Exzess kopiert werden muss! Wir sind ja so interaktiv! Wir haben eine WebSite zur Sendung! Wir haben nicht nur den Ströbele da, der einfach nicht da bleiben kann, wo er hingehört: Nach Berlin Mitte, Rotwein saufen mit drei Schwätzern, die vom Schwabenland emigriert eine auf große Hauptstadtbewohner machen: Nein! Wir knallen auch noch jeden Bockmist, den irgendein sprichwörtlicher Hinterwäldler von seiner Astgabel in das Netz kräht, sauber auf die Site zur Sendung und damit machen wir noch nicht mal Schluß! Nö. Das ganze wird dann auch noch idiotisch auf den vermeintlich plakativen Punkt gebracht, mehrfach als Kasten in die laufende Sendung eingeblendet.
Was haben wir nur alle verbrochen, Herr W., dass wir damit gestraft werden, dass die Telekom ihre DSL-Verbindungen überall hinlegen legen muss, was nur? Warum haben Sie nicht einfach Ihren Frauenkreis besucht, es hätte doch bestimmt einen Bastelabend gegeben, zumindestens solange bis auch wieder das Faschingskränzle tagt, so lange kann es ja nicht mehr hin sein, das verrät mir zumindestens mein verzweifelter Blick auf den Kalender!

Nun zum vollen Wortlaut Ihres Beitrags, den die keine Gnade kennende Online-Redaktion von n-TV hier verwurstet hat:

Ich finde diese Oper ist geschmacklos. Anstatt auf freie Meinungsäußerung zu pochen sollte man lieber auf den Inhalt schauen und der Inhalt des Stückes ist nicht akzeptabel! Es kann nicht sein, dass Mord in der Öffentlichkeit auch wenn sie unter dem Deckmantel „Kultur“ steht für gut und richtig gehalten wird.

Nun, Herr W., was Sie finden, was Sie nie gesucht haben, was Sie zwar gesucht, aber nie gefunden haben, das alles ist mir schnurzepipe und im Endeffekt Ihr eigenes, ganz sicher schales Bier. Sie mahnen das Betrachten des Inhalts des „Stückes“ an, der unakzeptabel sei und das sei wichtiger, als das „pochen“ auf freie Meinungsäußerung. Nun, es scheint mir, soweit Sie mir meine freie Meinung lassen möchten (was ich allerdings flugs selber bezweifele), ein absolut durchsichtiger Versuch zu sein, vor dem Recht der freien Meinungsäußerung eine Würgener Akzeptanzkommission zu stellen, deren vielleicht ebenfalls nur zweiter Vorsitzender der Herr W. ist, ach wie wunderbar! Was ist denn noch nicht akzeptabel, aus der Sicht des Würgener Akzeptanzausschusses, da wäre ich doch jetzt mal für maximal fünf Sekunden interessiert!
Desweiteren mahnen Sie an, daß „Mord in der Öffentlichkeit“ weder gut noch richtig sein könne, insbesondere auch dann nicht, wenn dieser unter dem „Deckmantel“ Kultur stehen würde. Ja, das stimmt wohl, ich füge aber beinahe ein wenig vorsichtig hinzu, dass auch ein kleiner, privat begangener Mord, meinethalben auch ohne nur versuchten künstlerischen Mantel, völlig unter Auschluss der vielleicht interessierten Öffentlichkeit, mal echt irgendwo nicht ganz korrekt ist!
Einer Meinung?

Chapeau!

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2 Gedanken zu “Herr W. und die Akzeptanzkommission

  1. Sie unterstellen mir eine Akzeptanzkommission zu wollen, jedoch ist dies ein völliger Unfug! Was ich sagen wollte, Sie jedoch bedauerlicherweise nicht verstehen, dass ich es für moralisch unanständig halte die Köpfe von Propheten abzuschlagen, ganz gleich ob es sich dabei um Jesus Christus, Mohammed oder Moses handelt und dies dann als Kunst verkaufen zu wollen! Die Propheten sind Gesandte Gottes! Köpfe abzuschlagen hat weder mit Kunst noch der Gleichen zu tun! Doch wahrscheinlich würden Sie als Künstler sogar noch Kinder live im Theater missbrauchen wollen nur um Kunst zu haben? Ich habe Sie mehrmals gebeten die Homepage zu lösche, doch Sie haben nichts getan. Ich nehme mir deshalb das Leben, denn es ist nicht in meinem Interesse, die Meinung anderer Menschen einschränken zu wollen!

    • Gott zum Gruße, Herr Esbeh!

      Sie halten es also für moralisch unanständig von Gesandten Gottes Köpfe abzuschlagen und das auch noch für Kunst verkaufen zu wollen.
      Zumindest erachtenswert finde ich ja schon, dass sich die von Ihnen genannten Personen meines Wissens nach allesamt schon mehr als zweitausend Jahre lang die Radieschen von unten anschauen – oder wie Sie vermutlich sagen würden: von oben.
      Insofern wird das für verhinderte Künstler oder auch
      für echte relativ schwierig werden mit dem Kopf abschlagen, außer z.B. Moses würde nun ein Theater in Berlin besuchen und dort dann auf ein hinterrücks meuchelmordenden Regisseur treffen, der etwas gegen Zombies in Prophetengestalt hat.

      Ihre Idee mit dem Kindesmissbrauch habe ich nach kurzem Nachdenken dann doch verworfen. Dummerweise ist das Thema momentan komplett durch eine andere Fraktion besetzt – so wie es aussieht sind hier die irdischen Vertreter so manches
      Propheten Lehre gerne schon direkt an der Quelle aktiv, da würde ich jetzt zu spät kommen, wobei wir nun schon beim letzten Thema angekommen wären, denn wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben.

      Sie möchten sich selbiges nehmen, da Sie kein Interesse daran haben, anderer Leute Meinung einzuschränken, allerdings nur unter der Vorgabe, dass diese ihre „Homepages“ löschen, sofern sie Ihnen nicht passen.
      Das ist problematisch, da diese Vorgabe die Verlautbarung einer Meinung im Einzelfall doch substantiell erschwert. Dass Sie sich aus dieser Zwickmühle befreiend gleich selbst entleiben möchten finde ich persönlich ja schon ein wenig übertrieben, aber das ist ja auch nur eine Meinung.

      In diesem Sinne bleibt der Hut gelüftet,

      Ihr

      Iljuschin

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