Milupa on the Beach

Herr Stephan Pelzl, seines Zeichens Chefredakteur der Postille „Erfolgreiche Gastronomie heute“, ergoss sich neulich auf seiner Site zum Thema „Rauchverbot“ und lehrte mich ganz unglaubliche Dinge.

Laut seines Pamphletes gibt es abgeschmackterweise drei gute Gründe für Gastronomen im Zeitgeist entsprechenden Gesetzgebungsquark devot wahnsinnig Tolles zu finden:

1. Erschließen Sie neue Gästepotentiale
2. Ihre rauchenden Gäste passen sich eher an als Nichtraucher
3. Nutzen Sie den Wellness und Gesundheitstrend

Um auf den ersten Punkt zu kommen, ist das natürlich ein Rat, der oberschlau, wie man so als Chefredakteur sein muss, schnell gegeben ist.

Wenn ein Kneipier es nicht hinbekommt, die 72,6% Nichtraucher jetzt in seine Kneipe zu locken, nachdem sie sich ja jetzt endlich hineintrauen können, dann hat er eben was falsch gemacht, nicht wahr?

„Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass manche Gäste Ihr Lokal nur deshalb meiden, weil dort viel geraucht wird? „, fragt Herr Pelzl und führt an dass diese Gäste notgedrungen zur Konkurrenz gehen, weil dort die Luft besser sei.

Deswegen haben ja in meiner Stadt vor Jahren zwei ganz futuristische Gastronomen versucht ein Café zu betreiben, in dem nicht geraucht werden durfte. Das war für die Nichtraucher wohl offenbar in ihrer Not so etwas von interessant, dass die beiden Läden gähnend leer waren. Da war mit diesem Unsinn aber mal ganz fix Asche! Ich hätte es zwar schön gefunden, wenn die ganzen Nörgler da endlich reingegangen wären, dann hätte es ja keine Diskussionen mehr gegeben. Meine Lebenserfahrung aber sagt: Ich kenne nur wenige, die sich mal Mittags in ein Café setzen wollen, Espresso, keine Zigarette, Zeitung? Das kann ja eine persönliche Sicht sein.
Aber wieso dann die Nichtraucherkneipe leer war, ist eine Frage, die man nicht stellen darf.

Zudem gibt uns Herr Pelzl den folgenden Tip: „Familien und alleinerziehende Eltern sind eine nicht zu unterschätzende Kundengruppe. Sie kommen mit ihren Kindern (vor allem mit Kleinkindern und Babys) nur zu Ihnen, wenn die Luft rauchfrei ist.“ Genau. Ich habe mich schon immer gewundert, was die ganzen Mütter mit Ihrem Kinderwagen Nachts vor der Bar wollen? Zitternd standen die in der Kälte, frische Luft schnappend und echt besorgt um den Nachwuchs haben die sich dann ihren Caipi eben draußen reingesaugt! Ich sehe schon förmlich den Gastronomen brütend über seiner neuen Karte, eifrig sich neue Kundengruppen erschließend: Milupa on the Beach, Hipp on the Rocks; das CD Regal wird ausgemistet und Benjamin Blümchen bekommt fünf Sterne im iTunes. Ganz klar, Herr Pelzl, so wird das neue Nachtleben, Gästegruppen erschlossen, aber mal ein ganz tolle Wurst werden!

Die Barkeeper, die vorher ein volles Haus hatten und jetzt gähnende Leere, haben halt nicht verstanden ihr Gästepotential zu nützen, so ist das also. Gästepotential erschließen! So ein ausgemachter Schwachfug vor dem Herrn!

Nun zu dem zweiten Punkt, der in seiner Konsequenz eine Frechheit ist, die an Perfidität nichts mehr auslässt! Ach ja? Raucher passen sich eher an? Ja, das tun die schon. Aber nur wenn man die Kirche im Dorf lässt! Rauchfreie Restaurants, Raucherraum, Raucher-Glaskasten und so weiter. Schon recht.
Aber eine Gängelung durch ein faktisches Komplettverbot wird zu einem völlig anderen Verhalten führen: Man trifft sich übrigens jetzt wieder Zuhause. Wenn Sie einen echten Tip an Ihre Klientel abgeben möchten: ToGo ist der Trend!

Espresso ToGo, Bier ToGo, Flasch´ Wein und ab nach Hause!

Ein Trend, den der Herr hätte beobachten können, wenn er seine Augen aufmachen würde und dabei mal zur Abwechslung für fünf Cent Nachgedacht hätte.

Den dritten Punkt werde ich jetzt nicht mehr weiter kommentieren, weil er einfach aus den Fingern gesaugt wurde, um irgendwie die Seite zu füllen.

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Ein Gedanke zu “Milupa on the Beach

  1. Da kriegt man ja fast wieder lust anzufangen mit dem rauchen ;-))
    Nur wegen der Kinder und der frischen Luft versteht sich !!
    Ich verstehe wirklich nicht warum die Mehrzahl der Raucher sich das so klaglos gefallen lassen und nicht dauernd schreiend ob des Unsinns durch die Straßen laufen ….:-)

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