MORAL, Großgeschrieben.

Spiegels Blick in die Welt ist das Panorama, in dem ich diese Woche in Ausgabe 49/07 ein denkwürdiges Interview mit der iranischen Hinterbänklerin Fateme Aliya zum Thema der Notwendigkeit von Sittenkontrollen lesen durfte. Nun ist es mir zunächst einmal, Globalisierung hin, Globalisierung her, völlig egal wie Iraner und Iranerinnen sich zu kleiden pflegen und was ihnen verboten ist und was nicht. In Anbetracht der hierzulande grassierenden Bevormundung und Unsinnigkeiten, die zum Himmel schreien, mag es ein völlig irrelevant sein, was irgendwer in Theran für gut und richtig empfindet. Die Begründung allerdings, und das macht dann doch einen Bezugspunkt offenbar, ist so toll, dass ich Sie wieder geben muss.

„Wir müssen unsere öffentliche Ordnung und Werte unserer Gesellschaft schützen. Dazu gehört, bestimmte Teile des Körpers nicht nackt zur Schau zu stellen. Zudem war das [die strenge Kontrolle der Kleidervorschriften] eine Präventivmaßnahme, damit diese Frauen nicht von Männern belästigt werden. Wir wollen nicht in die gleich Grube fallen wie der kranke Westen. Dort ist die Familie zerstört, grassieren Kriminalität und Sucht. In unserer Kultur hingegen, nach den Vorschriften des heiligen Koran, wird die Moral sehr großgeschrieben“

Nun glaube ich nicht wirklich wie Aliya, dass iranische Männer, kaum eines weiblichen Fussknöchels gewahr werdend, das zugehörige Wesen dann restlos ausziehen, um es noch an Ort und Stelle im Strassenstaub des Marktes zwischen Fischkopf und Apfelbutzen zu vergewaltigen. Aber wer weiß, dafür kenne ich mich mit den iranischen Gepflogenheiten zuwenig aus.

Womit ich mich allerdings ein wenig auszukennen glaube, ist Bigotterie und Selbstgefälligkeit, denn das abzuschätzen ist vielleicht wieder eher gesunder Menschenverstand und dafür muss man kein abgeschlossenes Diplom in Iranistik haben. Aliya hat sicherlich Recht, denn die letzte bekannte Steinigung wurde 2002 ausgeübt, also gab es wohl auch keine Unzuchtfälle mit mehr als 4 Zeugen mehr in diesem Land, in dem aufgrund seiner religösen Ausrichtung so wenig Kriminalität grassiert, dass Gefängnisse deswegen extrem unterdimensioniert sind.

Ich stelle mir eine Talkrunde vor mit Eva Hermann, Dorfpfarrer Mixa und Fateme Aliya bei Kerner. Vier Heuchler vergewissern sich eine Stunde lang gegenseitig in ihrem Pharisäertum und zumindestens drei in der Runde wedeln unisono mit Werten in die Kameras und sind sich einig wie wie krank der Westen ist, sowie in der Palestinafrage. Rausgeworfen wird dann diesmal der Kerner selbst.

Herrlich!

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