Die Happy heißen jetzt Winnenden

Wenn die Vöglein zwitschern, der Frühling Strom und Bach von Eis befreit und dieser vor dem letzten Kaff kurz innhehält, wird dort scheinbar regelmäßig von einem fleischgewordenem Genunfall in Gestalt eines pickeligem Voradoleszenten der Traum der Ausrottung der Menschheit im Kleinen buchstäblich ausgelebt.

Abgeschmackterweise trifft das dann immer Lehranstalten, einerseits vielleicht deswegen, weil eigene und neue Ideen eine Kontemplation vorraussetzen, die genau konträr zur geplanten Tat stehen, andererseits ist es vielleicht auch viel zu anstrengend sich bei irgendwelchen Taliban bei Wasser und Fladenbrot zum Dschihad-Affen zu machen und es danach erst recht zu vermasseln.

Nun kann man vielleicht Verständnis dafür Aufbringen, das man in schwäbischer EFH-Hölle unter Umständen einen Volldachschaden erleidet, vielleicht gerade deswegen, weil es im ganzen Viertel dank Obi & Bausparkasse gar keinen gibt. Die nötige Konsequenz ist aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht diskutabel, genauso wenig, wie die Frage was Kinder in einem Schützenheim zu suchen haben und warum man im Schlafzimmer eine verdammte Waffe braucht. Weil letztere Frage ja langweiligerweise auf der Hand liegt, wird diese aber auch zugleich von genau den sich ständig wegen der „Sicherheit“ sich aufplusternden Oberschlaumeiern bedenkentragend ganz plötzlich abwägenderweis‘ den Kopf staatstragend schräg gehalten abgewiegelt. Ja, da hat Herr Schäuble jetzt „keine Anhaltspunkte“ dafür, dass die Tat mit einem „schärferen Waffenrecht“ hätte verhindert werden können. Ich habe auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Speicherung meiner Kommunikationsdaten, Sperrlisteninfrastruktur und viele andere in Gesetz gegossene faktische Aushöhlung von Bürgerrechten in den letzten Jahren irgendeine Tat verhindert hat gegen die diese kommunizierterweise angeblich gedacht war, aber das ist ja Off-Topic.

Für die ganze Meute aus Politik und Medien, die jede Tragödie dazu verwenden, sich selbst Aufzublasen, ist es aber beileibe nicht Off-Topic dann völlig abstrusen Quark als Heilmittel anzupreisen, ohne sich dabei selbst in Grund und Boden zu schämen. Unser Herr Bundespräsident beispielsweise hat sich lange dem Respekt der Opfer geschuldet seinen Kopf zerbrochen und das Ergebnis des somit entstandenen geistigen Ausflusses in seiner ihm Kraft seines Amtes zustehenden Machtfülle qua Forderung an „Politik und Gesellschaft“ abgesondert, nämlich etwas gegen „gewaltverherrlichende Computerspiele und Filme“  zu tun. Das ist der gleiche Intelligenzbolzen, der in der Bild am Sonntag vor „Politikverdrossenheit“ warnt. Kein Wunder das „Horst“ ein Synoym für Volltrottel ist, obwohl ich sogleich abspreche, das in diesem Fall der Namensträger ursächlich für die Bedeutungsverwandschaft ist, denn das wäre ja schon etwas.

Was mich dann weniger wundert ist, das danach dann Mütter als Kampfhennen in Multifunktionsjacken vor laufender Kamera das Verbot von „Killerspielen“ fordern und den Container, den sie früher für die Altpapiersammlung orderten nun auf dem Dorfplatz aufstellen, damit die Jugend dort jene Spiele medial begleitet dumpt und damit das Problem gelöst ist. Der Tiefflug wäre ja süß, wenn es nicht die gleichen Weiber wären, die Glauben, dass die Leyen „etwas für Kinder tut“ wie mir neulich eine Kollegin steckte, die übrigens auch nicht glaubt „dass der Mensch vom Flubber abstammt“ mithin also vermutlich Kraft eines göttlichen Lebenshauchs vom Lehm zum Ebenbild mutierte. Letzeres kann man Glauben, muss es aber nicht, insbesondere dann, wenn die lebenden Nachkommen beweisen, dass sie ebensoweit Nachdenken wie ein Amöbenhaufen: Nämlich maximal soweit, wie ein Schwein scheißt.

Versöhnlich könnte dabei ja schon stimmen, das sich das Ergebnis in Form eines Game Boy Pak und zwei bis drei CDs auf dem Containerboden verlor, weil ich doch noch die Hoffnung habe, dass die Umwelt das ganze als das Begriff, was es war: Pure Heuchelei; Wenn nur ich nicht die stille Vermutung hätte, das die nächsten Forderungen nach „mehr Jugendschutz“  in einer Ausweitung von faktischer Zensur in Internet und Film mündet.

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