Mit Demut gevögelt werden

Die Tugend, die aus dem Bewusstsein unendlichen Zurückbleibens hinter der erstrebten Vollkommenheit hervorgehen kann, ist die Demut, sagt Wikipedia – oder besser Autoren, die in ihrer Irrelevanz so etwas dort hinterlassen. Demut war auch in früheren Zeiten etwas, was mein Boss ganz selbstverliebt predigte; Demut soll man gegenüber den Kunden zeigen und ich glaube leider nicht, das der Sermon daher rührte, dass „Dienstleistung“ auch noch im Plural als dickes Keyword im Claim der Firma prangte und auch weiterhin prangt, weil das zu subtil wäre.

Schlichte Gemüter beschreiben das in den Worten, dass der Kunde *immer* Recht hat, denn das folgt perfide der in der Adoleszenz gehassten Binse, dass der, der bezahlen würde, die Musik bestimmt und dass man, solange man die Beine unter den Tisch des Erzeugers stellen würde, zu tun hätte, was eben jener verlangt. In der Grenzschicht zwischen Mamas Steckrübensalat und dem ersten Big Mac, den man sich nun von selbst verdienten Geld kaufte, folgt für manchen noch nicht mal die Erkenntnis, dass man hier Lehnherr mit seinem Kollegen tauschte, sondern verkauft das als Weisheit, die zwar dem gleichem ausgelatschtem Pfad folgt, aber mit Kant wird das ja noch als Königsweg gepriesen ohne sich freilich dessen bewusst zu sein.

Eine Hure hat es schwer, sagt man oder stellt es sich vor. Die liebe lange Nacht stellt sich ein stinkender Kunde nach dem anderen an und packt seinen Furunkelarsch auf’s Bett. Da hat man Mitleid mit dem Schicksal und von Demut und Dienstleistung möchte nicht geredet werden. Will man jetzt glücklich werden hilft nur eins: Man muss ein tiefes Verlangen danach haben, mal richtig fett durchgefickt zu werden – Ahh, drei besoffene Albaner-Mafiosi plus Dildo aus nicht entrindeter Sequoioideae geschnitzt: Tieeefer, Jahh! Danach noch entlohnt zu werden, das ist dann ein Nebeneffekt, den man problemlos demütig hinnehmen kann.

Derweil indes haben findige Management-Seminarleiter, die bezeichnenderweis‘ gerne aus der Schweiz kommen, für ihren persönlichen Fick herausgefunden, dass man solcherlei Glück nicht oft findet und daher Instrumente propagiert, welche die moderne Entsprechung einer Mohrrübe am Stecken für den Esel am Berg sind: Die Boni.

Boni hingegen sind mittlerweile ganz BehBeh geworden. Boni waren schon immer BehBeh, muss ich mich korrigieren, denn das diese Ergebnis mindernd sind,  dafür musste man nicht erst den Begriff EBITDA erfinden, um das zu Begreifen. Der Trick wäre hier schon immer gewesen hier einen langen Stecken zu haben, nicht einen kurzen. Aber nachdem die  unverdienten Boni der Bankeraffen nach ihrem sauber hingelegten Volldesaster medial wirksam als Böse gebrandmarkt sind, kommt das eben auch im führungslehrgangsgeschulten Mittelstand als willkommene Erkenntnis an.

Die Umsetzung folgt dann genau der Dramaturgie, die man der BILD-Zeitung des mittelgroßen Mannes entnehmen kann, dem SPIEGEL, der sich über irgendwelche Millionen-Boni irgendwelcher Vorstandskasper echauffiert: Es werden moralinsaure Besserwisser befragt, die freilich längst schon ihre Schäfchen im Trockenen haben und trotzdem herumblöken, was sie für gerechtfertigt halten und was nicht.  Hängen bleibt im Lesevieh eben, dass jetzt Boni doof sind und dicke Autos nicht in die Zeit passen würden, obwohl heimlich trotzdem jeder eins will, Hauptsache die grüne Plakette klebt am Cheyenne.

Wer jetzt so richtig Zeitgeistig sein möchte, befiehlt jedem Tischgruppenführer, der keinen Bleistift ohne Genehmigung kaufen kann, auf seinen Bonus zu verzichten und zwar freiwillig. Das gibt ein Nonnenmacher-Feeling, das sich gewaschen hat, danach fühlt man sich mal echt befreit!

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3 Gedanken zu “Mit Demut gevögelt werden

    • „Wöllten“ oder gar „wöllt'“ ist ein Konjunktiv, den ich zwar nicht bräuchten tun würde, aber ich finde diesen immer wieder toll, auch wenn ich mich lustig mache, ernsthaft! 🙂

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