C’mon, Bert!

Unsere Bäckerei der Oststadt, die als die Oststadtbäckerei bekannt ist, aber eigentlich gar nicht so heißt, tituliert ihre Croissants nunmehr schon jahrzehntelang als „Croissante“. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, beim Bestellen das benagelt angehängte  „E“  auch zu Betonen: „Und noch ein Croissant-E“. Weil sich Madame Verkäuferin damals auch noch beschwerte, weil das so richtig sei, habe ich ihr dann ein Wörterbuch unter die Nase gerieben, pour rien, denn was richtig ist, ist richtig. Und das nur, weil die Franzosen den Mond plötzlich weiblich finden und hier Adjektiv und Substantiv scheinbar eh eins ist.

Der Sohn des Nachbarn früher, hatte ja eine Mutter, die sich für Ihn entschied: Latein, anstatt Französisch, Latein, weil „ma des spricht wie mr schreibt“ und außerdem „had des auch ned soviel Häkle“. Dabei war die gar nicht Schwäbin, ursprünglich, sondern Jugoslawin. Serbisch, Kroatisch, das weiß ich nicht mehr, aber in den 80ern hat einen das auch null interessiert. Der eigentliche Grund war aber, dass man „des brauchen kann, wenn man mal Doggter werde will“. Das wurde der Heini später tatsächlich, da sieht man mal wie viel der eigene Kopf tatsächlich zählt. Was Schwaben und Jugoslawen wohl gemeinsam haben, ist die Erkenntnis, das man im Französischen „nicht so spricht, wie man schreibt“, was freilich nicht nur symboltheoretisch barer Unsinn ist, aber es hat sich eben festgesetzt. Wahrscheinlich weil jede Käsereifachverkäuferin die Augen rollt, wenn der „Preßott“ verlangt wird, schlägt das dann irgendwann rückwärts ein und man macht an französische Dinge zusätzliche Buchstaben dran, schließlich spricht man ja französisch nicht so, wie man schreibt, das weiß doch jeder! Der Camembert hingegen hat ja das Problem nicht so, merkwürdigerweise. Der hat ja auch so ein „T“.  Cammönbär! Habe aber noch nie jemand hier „Cammanbert“ sagen hören, allerdings natürlich „Kammenbär“, niemals jedoch „Kammenbert“. Come on, Bert! You know Peter File, the guy with the pedo bear!

Kebabs hingegen, besser: Kebab’s, haben ein anderes Problem. Wiederum ein Nachbarssohn, den ich neulich dabei ertappte, wie er in sein ‚Handy‘ fragte: „Und wann kommst Du zu Hause?“, hat einen Vater, der neuerdings in Fahrschule macht. Dieser heißt Sultan. Irgendwie kommt mir das so vor, als ob man hier seinen Sohn jetzt „Fürst“ nennt. „Der Kechele, Fürschd, hod ja jetzt a Fahrschul'“, würden die Leut‘ dann auf dem Dorfplatz tratschen. Ist der auf Namenssuche, nennt der dann seine Fahrschule „Fahrschule Fürst“. Nein, natürlich „Fahrschule Kechele“. Mehmets und Harkans oder auch Sulṭāns nennen ihre Fahrschule natürlich wie?

„Sultan’s Fahrschule“. Logo.

Und wisst Ihr, was nun das allergrößte überhaupt ist? Wenn ich in diesem WordPress-Theme den Titel einschalte, was steht dann da?

Richtig. „Iljuschin’s Weblog“. Vielen Herzlichen Dank, Ben Grillbank’s! Super!

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2 Gedanken zu “C’mon, Bert!

  1. jetzt weiss ich, warum der Schwabe im Allgemeinen grosse Angst davor hat, dass andere glauben man hätte nix besseres zu tun. Denn wenn man nix besseres zu tun hätte, verfasst man als Yuppie-Spießer solche Blogs in denen sowohl schwäbisch sprechende Mitbürger mit Migrationshintergrund als auch eingeborene Postler, Fahrschullehrer, Bäckereifachverkäuferinnen usw. verunglimpft und diffamiert werden.

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