Geheimnisse der Systemgastronomie

Die Systemgastronomie sei erfolgreich, weil „auf der ganzen Welt immer die gleiche Qualität“ geboten würde und sich der „Nutzer“, wie neuerdings Gäste und Kunden genannt werden, „immer genau wüsste, was er bekommt“, so in etwa der Sermon, der überall unhinterfragt abgedruckt wird, wenn es um die Systemgastronomie geht.

Das ist natürlich ausgemachter Quark. Erstens gibt es auf der „Welt“ sehr wohl Unterschiede, man besuche beispielsweise mal einen McDonalds in den USA. Ich habe noch nie einen abgefuckteren Ort, als diesen Schweineladen auf irgendeiner Interstate in Florida gesehen; lieber esse ich nochmal in dem Dönerladen in Kairo bei dem man den Laden zusammen mit Ratten betrat. Zweitens bekommt man schon ganz grundsätzlich nicht das, was man glauben könnte zu bekommen, allein schon, wenn man sich auf die Werbebilder verlässt. Anders ist beispielsweise nicht zu erklären, warum Burger King mit stoischer Penetranz Lollo Bianco auf alle seine Produktbilder schummelt, denn ich habe in meinem Leben noch nie einen „Long Chicken“ oder „Whopper“ mit Lollo Bianco in den Händen gehalten. Es befindet sich ausnahmslos Eisbergsalat in den Teilen und davon, um mal bei dem „Long Chicken“ zu bleiben, drei traurige Blättlein, die in dem Miraggle-Whibb vollständig ersoffen sind. Herausschauen tut da mal gar nichts, bis auf die Mayo vielleicht.

Eins stimmt aber an diesem Quatsch, dass man wüsste, was man bekommt schon, nämlich dass der Nervfaktor über alle Franchiseläden hinweg konstant den gleichen Level hat. Legende der Versuch bei BK eine Bestellung ohne Rückfrage aufzugeben. Selbst wenn man sich an Abtippgeschwindigkeit des Tresenarbeiters anpasst, alles in richtiger Reihenfolge mit allen möglichen Abzweigungen vorbetet: „Einen Whopper einzeln nicht als Menü, ohne Käse oder Bacon, zum hier Essen und ich habe keine Paybackkarte“. Resultat: „Zum Mitnehmen?“. Ganz großer Irrsinn auch „Einen Cheeseburger, bitte“. Rückfrage: „Mit Käse?“. Das schlägt alles und ich hätte gerne mein dummes Gesicht beim ersten Mal selber gesehen. „Äh, auf einem Cheeseburger ist doch Käse oder nicht?“: „Ja, aber mit Käse ist doppelt“.

Der neueste Irrsinn zieht sich ja komplett über verschiedene Läden hinweg durch: Wasser ist nicht mehr im Becher erhältlich, sondern nur noch Flaschenweise. Der Mägges hat mit dem Unsinn bei Umbau auf diesen megamäßig benagelten Vollscheiß mit diesen bescheuerten Bestellterminals angefangen. Klar, ich fange jetzt an mich durch eintausend Untermenüs zu hangeln, um einen Hamburger ohne Pattie, Ketchup, Gurke und Brötchen zusammenzubasteln und dann 99ct für das Papier zu bezahlen.

„Und ich hätte gern ein kleines Wasser“. „Kleines Wasser gibt es nicht mehr“. „Wie, kleines Wasser gibt es nicht mehr?“. „Wir haben nur noch Flaschen“. „Ich will aber keine Flasche“. „Wir können Ihnen das auch in einen Becher umfüllen, aber nur in einen Großen“. Ja was zum Henker soll ich jetzt mit einem 0,5-Literbecher, Ihr Klappspaten? Natürlich ist das Mineralwasser maximal als „Medium“ zu bekommen. Ein 80er-Kind wie ich will Sprudel. Sprudel heißt Sprudel, weil es sprudelt. Nicht lack vor sich hingurgelt. Medium. Ja Himmelarschundzwirn, wenn ich ayurvedisches Quinoasamenwasser haben wollen würde, gänge ich zum Bengalen und nicht in eine verkackte Burgerbude! Das tollste daran: Man sieht hinter dem Tresen in dieser systemgastronomischen Edelstahlgerätelandschaft die Getränkezapfanlage mit dem blauen „Bonaqua“-Knopf prangen, während der sichtlich verzweifelte Verkäufer einem diesen Flaschenquatsch erklärt. Bonaqua. Also das, was in der Cola, Sprite und Weißderherrsoftdrink als Grundsubstanz verbaut ist. Sprudel aus Leitungswasser halt. Ich schwöre, dass in dem Zapfautomaten Colasirup mit dem Wasser aus dem Bonaqua-Fass vermischt wird.

Also das war jetzt ein Geheimnis, dem ich auf die Spur kommen wollte. Wozu haben solche Systemfuzzis auch ihre Websites, wenn nicht für das Feedbackformular? Also flugs die Frage eingestellt, warum denn jetzt nur noch Wasser in Flaschen erhältlich ist, wenn doch die komplette Infrastruktur aus Zapfhahn, Pappbecher und Wasserpatrone vorhanden ist. Die liebe Nadine vom Kundenservice hat mir dann auch geantwortet:

vielen Dank für Ihre Nachricht an BURGER KING®. Wir freuen uns sehr über Ihr Feedback, auch wenn uns dies aus unerfreulichem Anlass erreicht hat.

Mineralwasser ist eine Alternative zu den Softdrinks. Wir bedauern sehr, dass dieses aus organisatorischen Gründen weniger praktisch für unsere Gäste ausfällt.

Auf Grund einer operativen Änderung ist unser Mineralwasserangebot leicht angepasst worden. Dies bedeutet leider auch, dass wir kein „kleines Wasser“ anbieten können, da wir immer eine ganze Flasche anbrechen müssen. Ebenso ist es uns leider nicht möglich, die Pfandflaschen an unsere Gäste herauszugeben. Unserem Zulieferer müssen immer genau die selbe Anzahl Flaschen zurückgegeben werden, wie geliefert worden sind. Die Inventur würde sonst ungleich komplexer für ein, eher selten angefragtes Produkt.

Auch, der Preis des Mineralwassers im Vergleich zu den Softdrinks kann in einigen Restaurants vergleichsweise hoch ausfallen. Obwohl Mineralwasser in der Herstellung natürlich wesentlich günstiger ist. Als eigenständige, unabhängige Unternehmen sind die BURGER KING® Franchisenehmer selbst für die Preisgestaltung in ihren Restaurants verantwortlich. BURGER KING® gibt lediglich eine unverbindliche Preisempfehlung an seine Franchisenehmer.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis und wünschen Ihnen alles Gute.

Also mein Verständnis tendiert zu Null und meine Frage wurde wortreich umschifft. Vermutlich ein Textbaustein, den man da in der Hotline einkippt, nachdenken ist ja eher hinderlich im Kundenservice. „Mineralwasser ist eine Alternative zu Softdrinks“. No shit, Mineralwasser ist eine Alternative zu Softdrinks, you don’t tell! Ich fragte warum der Zapfhahn nicht benützt wird, obwohl er doch da ist? Auch ist mir völlig klar, was für ein logistischer Alptraum diese dummen Flaschen für die räudigen armen Hunde, die da Franchisenehmer genannt werden, darstellt. Deswegen ja meine Frage, Nadine, deswegen!

Ich hegte ja die Vermutung, dass es einen handfesten Streit mit Einkauf und Coca-Cola gab, im Stil von Marge v.s. nicht mehr erfolgtem Catering des Einkäufers beim Business-Lunch + barbusiger Olga im örtlichem Bordell aufgrund verschärfter Compliance-Regeln des Konzerns: „Dann kauf ich den Shice halt nicht mehr ein, Seckel, wirst Du schon sehen, was Du von deinen benagelten Compliance-Regeln hast!“. Mutmaßungen.

Muss man halt selber weiter recherchieren. Und was sagt da Wikipedia zu Bonaqua?

Am 30. Juni 2018 wurde die Produktion endgültig eingestellt und die Marke vom deutschen Markt genommen.

Warum man jetzt allerdings kein Apollinaris in die Kartusche füllt, wenn das Zeug doch auch zu Coca-Cola gehört, bleibt ein ungelüftetes Geheimnis der Systemgastronomie.

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